In Afghanistan sollen männliche Ärzte als „Mahram“ – also als Vormund – gegenüber den Patientinnen, die sie behandeln, anerkannt werden. Dies erklärte der Kommunikationsminister der Taliban*, Hamdullah Nomani, bei einem Treffen mit medizinischem Personal in Kabul, wie Amu.tv berichtet.
Laut Nomani wird medizinischem Personal im Rahmen der klinischen Praxis ein besonderes religiöses Recht eingeräumt, das es ihnen erlaubt, diejenigen Körperteile von Frauen zu untersuchen, die unter anderen Umständen für fremde Männer nicht zugänglich wären.
„Ich als Minister habe nicht das Recht, das Gesicht einer Frau anzusehen. Aber Ihnen ist dieses Recht gegeben: Wenn eine Frau auf Ihrem Operationstisch liegt, sind alle ihre Organe vor Ihnen, und es ist Ihnen sogar erlaubt, sie zu entkleiden“, sagte der Minister und rief dazu auf, dieses Recht nicht zu missbrauchen.
Nomani versicherte, dass „alle Theologen die gleiche Ansicht vertreten“.
Die Erklärung des Ministers erfolgte vor dem Hintergrund des von den Taliban im Dezember 2024 eingeführten Verbots für Frauen, eine Sekundar- und Hochschulbildung, einschließlich einer medizinischen Ausbildung, zu erhalten.
Inzwischen warnen internationale Organisationen, dass der Ausschluss von Frauen von der medizinischen Ausbildung die ohnehin erhebliche Belastung des fragilen Gesundheitssystems Afghanistans verschärfen wird. Schon vor der Rückkehr der Taliban an die Macht litt das Land unter einem akuten Mangel an Ärztinnen und medizinischem Personal – vor allem in ländlichen Gebieten, wo kulturelle Normen oft vorschreiben, dass Frauen ausschließlich von weiblichen Fachkräften behandelt werden sollen.
ℹ️ Nach der Machtübernahme im August 2021 verboten die Taliban Mädchen den Besuch von Sekundarschulen und Hochschulen und versuchten, andere Rechte und Freiheiten von Frauen weitestgehend einzuschränken. Unter anderem verboten sie Frauen offiziell, Sport zu treiben, in Parks spazieren zu gehen, sich ohne männliche Begleitung in der Öffentlichkeit zu zeigen, ohne Hijab auf die Straße zu gehen, mit anderen Frauen zu sprechen, zu beten und den Koran laut zu lesen. Das Ministerium für Frauenangelegenheiten wurde abgeschafft. An seiner Stelle richteten die Taliban das Ministerium für die Verbreitung islamischer Tugend und die Verhinderung von Lastern ein.
*Die Organisation wird in einer Reihe von Ländern als terroristisch eingestuft und ist dort verboten.



